14 Uhr im Dönerladen

Ich sitze im Döner-Laden. Es ist 14:00 Uhr, der Tag war bisher hektisch und mein Puls liegt gefühlt bei 100. Der Kellner kommt nicht, ich rolle mit den Augen, checke genervt meine Mails und atme laut aus. Mein Kollege schaut mich mit schiefem Blick an und sagt: „Und du willst mal Anwältin werden? Belastbar bist du aber nicht gerade.“ Sofort setze ich zum Gegenzug an und motze: „Doch! Aber,…“.

Und da sind sie wieder. Die Zweifel. Ich höre meinen eigenen Worten nicht mehr zu. Die Gedanken rotieren im Kreis: Was, wenn er recht hat? Du bist nicht so belastbar, wie die Kollegen. Nicht so klug, nicht so fleißig, nicht so schnell, nicht so beliebt. Keiner nimmt dich wirklich ernst, du bekommst zu selten Lob, weißt oft selbst gar nicht, ob du bisher überhaupt schon etwas Nennenswertes geleistet hast. Wo liegt deine Legitimation für diesen Job, dieses Studium? Waren da nicht mal Stärken, von denen du überzeugt warst? Ziele und Träume, für die du bereit warst einen Schritt weiter zu gehen? Menschen, denen du etwas beweisen, die du stolz machen wolltest? Wieso fühlst du dich so klein? Bist du einfach klein geworden, dem Druck nicht gewachsen, das Ziel aus den Augen verloren? Was ist passiert?

Meine Schultern sacken zusammen, der Blick schweift Richtung Boden. Seit Wochen, nein Monaten plagen mich diese Zweifel, werden zu einer Hemmnis in mir selbst. Ich habe den Glauben an mich selbst verloren. Selten, an guten Tagen, habe ich Erfolgsgefühle. Dann sehe ich für kurze Augenblicke, dass ich diese junge, starke Frau bin, die sich gern neuen Herausforderungen stellt, diese mit allem Mut anpackt, ohne dabei ein Ellenbogenverhalten an den Tag zu legen und die sich nicht zu fein ist sich die Hände schmutzig zu machen. Aber diese Momente sind selten geworden.

Ich hinterfrage alles. Wieso lebe ich in dieser Stadt? Was mag ich an meinem Leben? Was mag ich an mir? Was will ich werden? Wieso habe ich das studiert, was ich damals mit 18 Jahren gewählt habe? Wäre nicht ein anderer Weg viel besser gewesen? Was wäre dieser Weg gewesen?

Und seit kurzer Zeit keimen neue Wünsche: ich möchte etwas Eigenes auf die Beine stellen. Ein Business, ein StartUp – Geschäftsfrau! Das hört sich toll an. Doch sofort bremsen weitere Zweifel diese Sprossen: dir fehlt das Know-How, die Zeit, die Million Dollar-Idee, der Mut, das Geld, die Leute, und überhaupt.

Wer bin ich? Wer kann, wer will ich sein? Wer wird mir das sagen? Ich selbst scheine es nicht zu schaffen. Nicht jetzt.

 

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