Schönheitsideale – Part I

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Wer gibt uns vor, wie wir auszusehen haben? Woher nehmen Personen, die sich dieser Position der Macht über unsere Körper so sicher sind, ihre Legitimation? Wieso benötigt unsere Gesellschaft überhaupt einen Maßstab, eine Norm für Körperfülle und – formen?

Sind wir so unsicher und so verloren, wenn wir nicht jeden Aspekt unseres Lebens, sei es Lebensart, Kleidungsstil oder eben unsere Körper einer bestimmten DIN-Vorgabe zuordnen können?

Schon Staatsphilosoph Thomas Hobbes erkannte:

„Wir finden drei Gründe für Streit in der menschlichen Natur: erstens Konkurrenz, zweitens Mangel an Selbstvertrauen, drittens Ruhmsucht.“

Streiten wir uns also über Körpergewicht und -form, weil wir aufgrund unserer animalischen Natur miteinander konkurrieren? Weil uns das Selbstvertrauen fehlt? Oder weil wir uns aufgrund unser eigenen Körperform rühmen wollen?

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Wem wollen wir eigentlich gefallen? Der Gesellschaft? Dem anderen Geschlecht? Unseren Freunden und Kollegen? Oder uns selbst? Ich glaube, dass wir verlernt haben, in den Spiegel zu sehen oder uns zu berühren und uns selbst unvoreingenommen zu beurteilen und eine eigene Meinung zu unserem Körper zu finden. Omnipräsent ist der ewig gehobene Zeigefinger, der uns von den Coverblättern von Hochglanzmagazinen und von unmenschlich dürren Schaufensterpuppen warnend aufgerichtet entgegenreckt. Überall wird der Eindruck erweckt, es gäbe nur eine einzige richtige, nur eine einzige akzeptable Körperform: schlank, trainiert, mit perfektem Teint, makelloser Haut, glänzendem Haar und strahlendweißen Zähnen.

Die Ideale, die aufgestellt werden, sind für den Durchschnitts-Homo Sapiens kaum erreichbar, sind sie doch durch Programme wie Photoshop inszeniert und selbst mit diszipliniertem Lebensstandard kaum erreichbar, gibt es ja noch die allzu gern vergessenen Gene, die uns unterschiedlich ausstatten. Doch diese von der Natur gegebene und vorgesehen Heterogenität scheint für unsere Gesellschaft abscheulich und verachtenswert zu sein, wollen wir doch am Ende des Tages gleich aussehen. Woher kommt dieses Bedürfnis des Einblendens? Streben wir nicht viel mehr alle danach, als Individuen wahrgenommen zu werden? Wollen wir uns nicht von der Menge abheben, durch persönliches Engagement, Charakter, Moralvorstellungen, der Art wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen? Wie kann es sein, dass alle behaupten, sie seien etwas ganz Besonderes, wie ein Einhorn, wenn sie im selben Moment gleich aussehen wollen?

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Persönlich wirbelt diese gesellschaftlich so umstrittene Debatte in mir die Emotionen auf. Der Konflikt, dem Druck nachzugeben und sich anzupassen kämpft einen feurigen Kampf mit der aufmüpfigen, das Kinn anhebenden Amazonin, die sich von niemandem etwas vorschreiben lassen möchte, schon gar nicht von der von homosexuellen Männern dominierten Modewelt, die mir doch überhaupt nichts vorzugeben hat, oder der Lebensmittelindustrie, welche mit ihren abertausenden low fat, low carb, low everything Produkten an der omnipotenten Unsicherheit der Bevölkerung Geld verdienen möchte.

Am Ende des Tages, muss ich feststellen, siegt wie so oft die goldene Mitte. Man gibt der ein oder anderen Gesellschaftsnorm nach, passt sich hier und da an. Die andere Hälfte kapituliert und lässt der genetischen Entwicklung schulterzuckend seinen Lauf.

8 Gedanken zu “Schönheitsideale – Part I

  1. Hallo süße,

    Ich finde dein Blogpost toll. Es regt auf jeden Fall zum nachdenken an und es steckt sehr viel Wahrheit drin. Mittlerweile fühlt man sich anders weil man eben nicht immer „low carb “ isst oder weil man kein Acai Bowl jeden Tag zum Frühstück hat 😅( obwohl es mir eigentlich ganz gut schmeckt, versteh mich nicht falsch) , aber es geht einfach darum dass irgendwie alle das gleiche machen wollen und dabei geht viel Individualität verloren. Und es ist auch sehr schön geschrieben ☺️ Weiter so, Lg Vilma .

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  2. Hammer Beitrag! Ich selbst habe mit diesem vorgeschriebenen Idealbild lange Zeit ein Problem gehabt, es hat mich zu was gemacht, was ich zwar sein wollte weil es so vorgeschrieben ist – aber eigentlich wollte ich so gar nicht sein… Inzwischen habe ich gelernt, darauf zu scheißen wenn jemand vorschreibt wie ich zu sein habe – Ohh du bist ja aber dick geworden oder ne also Blond ist ja grad komplett out. Ist mir egal – ich fühle mich so langsam so wohl wie ich bin und das hat leider viel zu lange gedauert 😔

    Liebe Grüße,
    Rebecca

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  3. Ein wirklich schöner und wichtiger Post. Leider verbiegen sich immernoch noch viel zu viele für dieses Ideal, aber je älter man wird, umso mehr weiß man irgendwie damit umzugehen. Großes Lob von mir!

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