Jetset – und vom Heimweh aus der Ferne

New York, London, Tokio – das ist der Traum von jedermann, so scheint es. Bei Facebook, Instagram und co. liefern sich die Leute von heute ein Duell der Extraklasse. Ob nah oder fern – nie schien der Jetset so greifbar wie heute. Die Blogger und Influencer machen es uns vor, wir eifern ihnen nach.

Auch ich bin in meinen zaghaften 25 Lebensjahren schon viel um die Welt gekommen, habe über 35 Länder bereist, die Städte kann ich schon lange nicht mehr zählen. Früher war es immer während der Schulferien, dann während der Semesterferien. Dieses Jahr ging es jeden Monat woanders hin, teils war ich an jedem Wochenende an einem neuen Ort. Es fühlt sich aufregend an, das Kribbeln, wenn man mit dem Pass am Gate steht und in die Ferne fliegt, sei es nur eine Stunde über den Wolken nach London oder ein paar Stunden im Zug zum Skifahren in die Schweiz.

Für gewöhnlich ist so ein Trip schon Wochen vorher geplant und gebucht. So baut sich über einen längeren Zeitraum eine Vorfreude auf, die einem durch die Wochen hilft. Wenn es dann endlich so weit ist, kann man es kaum erwarten, die Reise anzutreten. Vor Ort rast die Zeit, als hätte der Tag plötzlich nur noch 12 Stunden anstatt 24. Ist man wieder zuhause, so schwelgt man noch wochenlang in Erinnerungen, lässt die Abenteuer Revue passieren, verarbeitet die Erlebnisse.

Doch dieses Phänomen der Vor- und Nachfreude lässt exponentiell nach, je mehr man unterwegs ist. Das merke ich gerade wie nie zuvor. So viel wie dieses Jahr bin ich noch nie gereist. Natürlich gibt es von jedem Trip instagramwürdige Erinnerungsbilder. Man fühlt sich wie eben einer dieser wichtigen Blogger oder Instagrammer, die von einem angesagten Ort in den nächsten jetten. Man wohnt in schönen Hotels oder bei Freunden, schwimmt an tollen Stränden, steht auf atemberaubenden Rooftop Bars und hält natürlich alles fest. Für die eigenen Erinnerungen, zunehmend aber auch für die Öffentlichkeit.

Aber ist das wirklich so toll, wie es scheint? Zuletzt saß ich nach einem der Trips am Flughafen, kurz davor in den Flieger zu steigen. Ich war müde, ausgelaugt, geschafft. Das viele Packen, unterwegs sein, voller Elan und Enthusiasmus durch fremde Straßen und Kulissen zu streifen, so viel wie möglich davon aufzusaugen. Doch das einzige, was ich in dem Moment wollte, war in meinen eigenen vier Wänden zu sein. Endlich die Tasche abzustellen, eine Waschmaschine anzuschmeißen und in meinem eigenen Bett zu liegen. Plötzlich fragte ich mich, wie sich denn die Menschen fühlen müssen, die wirklich drei von vier Wochen im Monat fern von zuhause verbringen.

Wie schaffen sie es, das magische, das besondere Gefühl, das solche Trips und Reisen eigentlich in einem hervorrufen, aufrecht zu erhalten? Wie schaffen sie es, Vorfreude für das nächste Ziel zu empfinden, während sie noch tausende Kilometer von zuhause entfernt an einem Ort sitzen und das Erlebte noch nicht verarbeitet haben? Das ja noch die Gegenwart ist und nicht bereits in der Vergangenheit liegt?

Ich fühle mich abgehetzt und leer. Eine gewisse Taubheit macht sich da breit, wo sonst normalerweise die altbekannte Nostalgie eintritt, die am Ende einer Reise Überhand über die Gefühlswelt annimmt. Der Jetset sieht, meine ich, nur von zuhause toll aus. Am Ende des Tages aber braucht man einige Wochen Langeweile, Alltag und Heimat um überhaupt die Kapazität zu haben, sich wieder wie ein kleines Kind zu fühlen, das in das voll gepackte Auto der nächsten Reise entgegenfiebert.

 

6 Gedanken zu “Jetset – und vom Heimweh aus der Ferne

  1. Ich habe das ganze auch immer als total toll empfunden und konnte nie genug bekommen. Ich reise immer noch gern! Aber heute freue ich mich genauso darauf, wieder nach Hause zu kommen. Zuhause ist es einfach am schönsten!

    Gefällt mir

  2. Ich kann mir das Recht gut vorstellen wie man sich da fühlen muss, wenn man die meiste Zeit tatsächlich auf Reisen verbringt. Ich denke ein guter Ausgleich ist wichtig, dann kommt auch das Fernweh und die Vorfreude auf die Reisen 😁

    Gefällt mir

  3. Ich habe gerade schlimmes Fernweh, direkt nach einer langen Reise ist es für mich immer am schlimmsten… aber egal wie schön die Reise für mich war, daheim bei Mama und Papa ist es doch immerwieder schön – auch wenn ich schon überlege wo ich als nächsten hin kann☺️🙈

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s