Oans, zwoa, drei, Gsuffa!

„Warum stehts ihr überhaupt no hier, hier kommt eh niemand mehr nei!“ – so oder so ähnlich wurde man auch dieses Jahr auf dem Oktoberfest begrüßt, wenn man am Wochenende nachmittags den eher hoffnungslosen Versuch startete, noch in eines der beliebten Bierzelte zu gelangen. Warum ich, die im Münchener Süden groß geworden ist und vermutlich das erste Mal mit vier oder fünf Jahren auf der Wiesn war, die das Spiel also in- und auswendig kennt, es trotzdem wieder versucht habe, kann ich euch nicht sagen. Wahrscheinlich weil ich dachte, vielleicht trifft mich dieses Jahr mal das Glück der Wenigen, sich trotzdem über irgendeinen der Seitengänge, die sich „S1“ oder „O5“ oder sonst wie nennen, reinzuschmuggeln.


Leider traf mich dieses Glück nicht, und ich besaß auch zu wenig Dreistigkeit dazu, es irgendwie anders möglich zu machen. Also setzte ich mich ein wenig reumütig und beleidigt in den Biergarten und bestellte mir erst Mal eine Mass (Wiesn-Regel #1: Mass, wie „krass“ ausgesprochen, nicht mit einem langen „a“ wie bei Spaß!!!). Ab jetzt galt es einen Zeitraum von anderthalb Stunden zu überbrücken, bis ich dann mit einer Gruppe alter Schul- und Studienfreunde selbst an einem der heißbegehrten Boxentische im Schützen-Festzelt feiern würde.

So schlimm war das ganze Warten dann am Ende gar nicht. Eine nette Familie aus dem nördlichen Bayern setzte sich zu mir und prostete mir zu, der ein oder andere Freund oder Bekannte stolperte zufällig an mir vorbei, man tauschte die alljährlichen wiesntypischen Liebesbekundungen und „Das müssen wir auf jeden Fall wiederholen“-Versprechungen aus, und freute sich, irgendwie dabei zu sein. Das ist das schöne an der Wiesn. Man muss sich gar nicht mit vielen Leuten verabreden, man trifft sie eh jedes Jahr wieder.


Später im Zelt war es wie immer. Das klingt irgendwie langweilig, so nach „Oma backt aber immer Streuselkuchen zum Geburtstag“-Mentalität. Aber es ist großartig. Man weiß genau was einen erwartet: man nimmt am Tisch Platz, alle sind noch nüchtern, die Konversationen etwas hölzern. Nach der ersten Mass steht die Runde auf den Bänken, man singt zu den Liedern mit, der Suff nimmt Form an. Am Ende des vier- bis fünfstündigen Feiergelages liegen sich alle lachend und lallend in den Armen, sind voll (gegessen und getrunken) und marschieren über die Festwiese um noch eine Achterbahnfahrt anzutreten. Die Gruppe verliert sich, findet sich auf kuriose Weise wieder und tritt den Weg zur Afterparty oder nach Hause an.

Die Wiesn (Regel #2: es ist eine Wiese, nämlich die Theresienwiese, also heißt es ich gehe auf DIE Wiese, bayrisch Wiesn ausgesprochen. Frag mich also niemals wie es auf DEN Wiesn war!!!) ist und bleibt ein friedliches, fröhliches Fest, auf dem Platz für die besten Freunde, die Familie, Bekannte, und Touristen aus aller Welt ist.

Mit dem Geschmack von gebrannten Mandeln und der letzten Mass im Mund sacke ich nach jedem Mal am Ende zufrieden ins Bett, und bin mir unsicher, ob sich mein Kopf dreht, weil er mental noch im Kettenkarrusell ist, oder weil es einfach mal wieder eine Mass zu viel war.

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​*** Das Oktoberfest findet jedes Jahr für gut zwei Wochen ab Mitte September bis Anfang Oktober in München statt.

*** Der Zutritt zur Festwiese und den Bierzelten ist kostenlos!

*** Preis für eine Mass Bier: knapp 11€, hier lohnt es sich aber, den Kellnern Trinkgeld zu geben. Dann kommen sie gewiss schnell mit der nächsten Runde Bier zurück!

*** Preis für Fahrgestelle / Achterbahnen: ca. zwischen 4-9€.

*** Preis für das schönste Gefühl der Welt: unbezahlbar.

2 Gedanken zu “Oans, zwoa, drei, Gsuffa!

  1. Das Oktoberfest klingt genau wie der Stuttgartee Wasen – da kommt man auch nur gut ins Zelt wenn man reserviert hat ☺️ Übrigens – ich war einmal nüchtern dort… das war so furchtbar – ohne eine Maß geht es gar nicht!

    Liebe Grüße,
    Rebecca

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