Wieso tragt ihr keinen Ehering?

Ich gehe gerne aus. Da überrascht es nicht, dass es hier und da zu neuen Bekanntschaften mit Männern kommt. Natürlich fühle ich mich, wie jede Frau, geschmeichelt, wenn ich angesprochen werde oder mir jemand einen Drink ausgibt. Zwar denken sich die männlichen Leser jetzt direkt, wie doof ist die Alte, jeder, der einer Frau einen Drink ausgibt, will eh nur das Eine. Aber ich lasse mir meinen Hollywood-Prinzessin-PrinzaufweißemGaul-Hoffnung trotz aller Erfahrung nicht nehmen. Zumal das Motiv des Herrn ja sein kann, was es möchte, die Annahme eines Drinks verpflichtet mich auf keiner Ebene zu einer Gegenleistung (sorry, hier kommt kurz die Juristin raus!).

Als durchaus kommunikativer und extrovertierter Mensch kommt es dann manchmal, wenn die Chemie nicht absolut disparat ist, in solchen Situationen zu einer Konversation mit Typ X. In letzter Zeit habe ich aber einen neuen Trend wahrgenommen, der mir stark missfällt. Immer häufiger kommt es vor, dass ich noch während des, oder spätestens nach dem Aufeinandertreffen irgendwie herausfinde, dass der ach-so-charmante vielleicht-irgendwann-mal-Mr.Big entweder vergeben, oder fast noch häufiger, verheiratet ist. Als mir das das erste Mal vor nicht allzu langer Zeit passierte, begann ich, von vornherein einen schnellen Blick auf die Hände zu werfen. Kein Ring? Super, man kann sich ja mal unverfänglich unterhalten.

Das Erschreckende an dieser Stelle ist nicht die Redebereitschaft der Männer, sondern die sich meist schnell herauskristallisierende Bereitschaft, sich gemeinsam in meine Wohnung zurückzuziehen. Spätestens, wenn der Herr vorschlägt, in meine Wohnung zu gehen, ist alles vorbei. Denn dann ist klar, dass in seiner Wohnung oder seinem Haus seine arme Freundin oder Ehefrau mit ihm wohnt, die vielleicht nichtsahnend gerade nicht in der Stadt aufhält.

Ich möchte hier kein pauschales Männer-Bashing vornehmen. Die Männer bekommen derzeit durch den #MeToo-Trend schon genug ab (ich behaupte nicht, dass das zu Unrecht passiert). Außerdem kann ich keine empirischen Daten zur Betrugshäufigkeit von Ehefrauen vorweisen. Ich berichte lediglich aus der Perspektive einer jungen Frau, die Woche für Woche den Glauben an Treue und das Prinzip der Ehe verliert.

*** Das Titelbild habe ich während eines Castings in der Brautmoden-Boutique von Emanuel Hendrik in Düsseldorf aufgenommen.***

Ein Gedanke zu “Wieso tragt ihr keinen Ehering?

  1. Nein, denken wir nicht.
    Es ist ein soziales Klischee dass alle Männer nur auf das Eine aus wären.
    Natürlich gibt es solche Männer zu Hauf.
    Aber wenn man als Frau ständig nur an solche Typen gerät,
    sollte man darüber nachdenken vielleicht selbst etwas falsch zu machen.
    Das soll auch keine #notallmen Tour werden.
    Es ist nichts schlimmes den eigenen Trieb nicht zu verleugnen.
    Wenn ein Mann auf der Suche nach einer Gespielin etwas freigiebig sein möchte,
    dann warum denn eigentlich nicht?
    Eigentlich ist es sogar sexistisch zu verleugnen,
    dass Frauen des selben Spiels mächtig sind.
    Auch die dürfen eine gesunde Sexualität leben.
    Das sind eigentlich Spuren von altem Sexismus,
    als Mittel gegen modernen Sexismus.

    Jeder Mann ist ein potenzieller Ficker und Sexualstraftäter.
    Jede Frau muss um ihre Sicherheit fürchten und will doch nur Liebe.
    Dabei können und sollen Frauen, wenn sie denn wollen,
    sich ruhig selbst einfach nehmen was sie begehren.
    Eine Frau mit selbstbewusster Sexualität ist nicht mehr oder weniger selten,
    als Männer auf einer romantischen Suche nach einer Gefühlsbindung.

    Ich würde sogar soweit gehen dass die Geschlechtsunterschiede,
    zum großen Teil gesellschaftliche Konstrukte sind.
    Nicht alle Männer sind gefühlsarm und nicht alle Frauen wollen sich gleich binden.

    Worin „wir“ uns aber tatsächlich oft unterscheiden,
    ist dass Frauen wesentlich wählerischer sind.
    Weder nobler noch erhaben sondern einfach anspruchsvoller.
    Das liegt daran dass es eben immer noch die etablierte Norm ist,
    wenn Mann um das Weibchen buhlt um sie decken zu dürfen –
    und nicht etwa umgekehrt.

    Aber abgesehen von diversen Privilegien und Nachteilen auf beiden Seiten,
    sind wir gar nicht so verschieden.
    Denn auch wenn wir verschiedenen Geschlechtern angehören,
    gehören wir immer noch zur selben sexuellen Spezies.

    Ich für meinen Teil wäre ebenfalls erfreut über eine Frau,
    an deren Intellekt ich mich erfreuen darf,
    welche diese kleine Freude auch an mir finden kann.

    Denn in erster Linie habe ich immer eines vor mir.
    Egal ob Mann, Frau, Hermaphrodit, Zwitter oder Mutant.

    Einen Menschen.
    Als solche sollten wir uns auch begegnen.

    Sometimes.

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